Wissen · Häufige Fragen
Häufige Fragen
Fragen, die mir wirklich gestellt werden — und die Antworten, die ich auch im Gespräch geben würde.
Erst mal grundsätzlich
Bringt das überhaupt noch was, wenn ich meine Diagnose erst mit 42 bekommen habe?
Ja. Eine späte Einordnung verändert nichts an Ihrer Vergangenheit, aber sie verändert, wie Sie Ihren Alltag ab jetzt einrichten.
Viele Menschen erhalten ihre Einordnung erst im Erwachsenenalter — nach Jahren, in denen sie sich für unorganisiert oder zu empfindlich gehalten haben. In der Beratung geht es darum, das Erlebte einzuordnen und daraus konkrete Alltagsstrategien abzuleiten: Struktur, Reizsteuerung, Energieeinteilung.
Ist das nicht einfach eine Ausrede für Dinge, die ich nicht hinkriege?
Nein. Eine Erklärung ist keine Ausrede — sie beschreibt, wie etwas funktioniert, und macht es dadurch veränderbar.
Ich arbeite mit dem Blick auf Funktionsweise statt auf Defizite. Wer versteht, warum bestimmte Aufgaben mehr Kraft kosten, kann Umwege bauen, statt sich weiter anzustrengen an einer Stelle, an der Anstrengung nicht hilft.
Was, wenn ich gar keine Diagnose will?
Dann brauchen Sie hier auch keine. Die Beratung ist verordnungsfrei und setzt keine Diagnose voraus.
Beratung und Training sind Selbstzahlerleistungen ohne Verordnung, ohne Überweisung und ohne Genehmigung. Es entsteht dabei kein Eintrag in einer Versicherungsakte. Anders ist es in der Ergotherapie: Dort ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Privatverordnung Voraussetzung.
Ich habe keine Diagnose, aber das Gefühl, dass etwas anders läuft. Bin ich hier falsch?
Nein, Sie sind richtig. Die Beratungslinie ist ausdrücklich offen für Menschen mit und ohne Diagnose.
Im Standortgespräch klären wir, worum es eigentlich geht, was Sie im Alltag ausbremst und ob eine ärztliche Abklärung für Sie sinnvoll wäre. Ich stelle keine Diagnosen — ich helfe beim Sortieren und zeige, welche Stelle wofür zuständig ist.
Muss ich über meine Kindheit reden?
Nein. Sie bestimmen das Thema, und der Ausgangspunkt ist Ihr heutiger Alltag.
Manchmal hilft ein Blick zurück beim Einordnen — nötig ist er nicht. Die Aufarbeitung der Lebensgeschichte gehört in die Psychotherapie; das ist nicht mein Auftrag und nicht meine Befugnis.
Wie das hier abläuft
Was passiert im ersten Gespräch?
Am Anfang steht eine kostenfreie Vorabklärung bis 15 Minuten, telefonisch oder per Video.
Darin klären wir, worum es gehen soll, ob das Angebot passt und welche der beiden Linien die richtige ist: Beratung ohne Verordnung oder Ergotherapie mit Privatverordnung. Danach entscheiden Sie, ob und wie es weitergeht.
Wie viele Termine brauche ich?
Das legen Sie fest — in der Beratung gibt es keine feste Anzahl.
Manche Anliegen sind nach einem Standortgespräch geklärt, andere brauchen eine Reihe von Terminen. Ein Einzeltermin dauert 50 oder 90 Minuten. In der Ergotherapie ergibt sich der Umfang aus der Verordnung, nicht aus einer Absprache mit mir.
Kann ich auch online kommen?
Ja, die Beratung findet in den Räumen in Augsburg oder online statt.
Vor Ort sind Termine mittwochs und donnerstags in der Schmidgasse 8, 86150 Augsburg möglich; für Wochenendtermine der Beratungslinie nutze ich Räume in der Schießgrabenstraße 26, 86150 Augsburg. Ergotherapie biete ich als Hausbesuch an — in Augsburg und Umkreis von bis zu 20 Kilometern ab der Stadtgrenze.
Muss ich vorher etwas vorbereiten?
Nein. Ein Stichwort zu Ihrem Anliegen genügt für den Anfang.
Wenn Sie mögen, können Sie vorab die Orientierungshilfe „Was passt zu mir?“ ausfüllen und das Ergebnis mitbringen. Wer eine Privatverordnung für Ergotherapie hat, bringt diese zum Termin mit.
Was, wenn ich merke, dass es nicht passt?
Dann sagen Sie es — und wir beenden es oder ich verweise Sie weiter.
Es gibt keine Bindung an eine Terminzahl. Wenn ein anderes Angebot besser passt — Psychotherapie, ärztliche Diagnostik, eine Beratungsstelle —, sage ich das offen und helfe beim Sortieren, wer wofür zuständig ist.
Diagnose und Abklärung
Wie komme ich überhaupt an eine Diagnose?
Über eine ärztliche oder psychotherapeutische Stelle — ich stelle keine Diagnosen.
Der übliche Weg führt über die hausärztliche Praxis zu einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen Praxis oder in eine Spezialambulanz. In der Beratung kläre ich mit Ihnen, welche Stelle zuständig ist, welche Unterlagen gebraucht werden und wie Sie ein solches Gespräch vorbereiten.
Was steht in einem Privatrezept?
Die verordnete Leistungsart, die Anzahl der Behandlungseinheiten und die Diagnose.
Für die Ergotherapie sind das zum Beispiel die psychisch-funktionelle Behandlung, die sensomotorisch-perzeptive Behandlung oder das Hirnleistungstraining. Aus der Leistungsart ergibt sich auch die Dauer eines Termins. Wenn Sie unsicher sind, ob eine Verordnung vollständig ist, schauen wir in der Vorabklärung gemeinsam darauf.
Wer darf mir Ergotherapie verordnen?
Ärztinnen und Ärzte sowie psychotherapeutische Praxen — als Privatverordnung.
Ergotherapeutische Leistungen nur mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Verordnung. Diese Praxis ist eine privatpraxis ohne kassenzulassung; eine Kassenverordnung kann ich deshalb nicht abrechnen. Ohne Verordnung bleibt die Beratungslinie, die verordnungsfrei ist.
Mein Arzt kennt sich mit ADHS bei Erwachsenen nicht aus — was jetzt?
Dann lohnt sich der Weg zu einer Praxis oder Ambulanz mit diesem Schwerpunkt.
Im Bereich „Orientierung im Hilfesystem“ gehen wir durch, wer was macht, welche Unterlagen Sie brauchen und wie Sie ein Erstgespräch vorbereiten, damit Ihre Beobachtungen dort ankommen. Das ist Beratung zur Orientierung, keine Diagnostik.
Kosten
Zahlt meine Krankenkasse etwas dazu?
Krankenkassen und private Versicherungen übernehmen Beratung und Training in der Regel nicht. Es gibt aber Ausnahmen — gerade bei Familien und Kindern fördern manchmal andere Träger einzelne Leistungen.
Ob das in Ihrem Fall infrage kommt, klären Sie am besten mit der zuständigen Stelle oder Ihrem Steuerbüro. Ich bin keine Steuerberaterin und kann das nicht beurteilen. Was ich tun kann: Ich stelle Ihnen die Unterlagen bereit, die Sie brauchen, und schaue mit Ihnen, wer überhaupt zuständig wäre. Für ergotherapeutische Leistungen mit Privatverordnung gelten eigene Regeln: Private Versicherungen und Beihilfestellen erstatten je nach Tarif unterschiedlich — bitte vorab dort nachfragen.
Was heißt Privatpraxis genau?
Privatpraxis ohne Kassenzulassung — ich rechne nicht mit den gesetzlichen Krankenkassen ab.
Für Sie heißt das: keine Kontingente, keine Genehmigungswege, in der Regel kurzfristige Termine. Sie erhalten eine Rechnung und reichen sie, wenn Sie möchten, selbst bei Ihrer Versicherung oder Beihilfestelle ein.
Kann ich das von der Steuer absetzen?
Das kommt in Betracht, ich kann es aber nicht beurteilen — ich bin keine Steuerberaterin.
Wenn die Beratung mit Ihrer beruflichen Tätigkeit zusammenhängt, ist eine steuerliche Berücksichtigung möglich. Klären Sie das mit Ihrem Steuerbüro. Was ich tun kann: Ich stelle Ihnen die Unterlagen bereit, die Sie dafür brauchen.
Was kostet ein Termin?
Beratung und Training: ab 110 Euro je Termin. Ergotherapie mit Privatverordnung: ab 107 Euro je Behandlungseinheit.
Die Vorabklärung bis 15 Minuten ist kostenfrei. Für Termine ab 20 Uhr und an Wochenenden kommen 10 Euro hinzu. Alle Positionen beider Linien stehen getrennt auf den jeweiligen Seiten.
Arbeit und Umfeld
Muss ich meinem Chef von meiner Diagnose erzählen?
Nein. Sie entscheiden, wem Sie was erzählen.
In der Beratung schauen wir, was Ihnen im Arbeitsalltag konkret hilft und was Sie dafür überhaupt offenlegen müssten. Manche Anpassungen lassen sich ohne jede Erklärung umsetzen, andere brauchen ein Gespräch — das bereiten wir vor.
Was ist ein Nachteilsausgleich?
Eine Anpassung von Bedingungen, damit eine Leistung fair bewertet oder erbracht werden kann.
In Ausbildung und Studium sind das zum Beispiel Zeitverlängerungen oder ein reizarmer Prüfungsraum. Im Bereich „Arbeit, Ausbildung und Studium“ klären wir, was infrage kommt, welche Stelle zuständig ist und wie Sie den Antrag vorbereiten.
Mein Partner versteht nicht, warum mich Kleinigkeiten so fertigmachen.
Dann ist Aufklärung für Angehörige oft der wirksamste erste Schritt.
Wenn beide verstehen, wie Reizverarbeitung und Energiehaushalt funktionieren, wird aus „stell dich nicht so an“ eine gemeinsame Frage nach Lösungen. Angehörige und Paare können gemeinsam kommen oder erst einmal getrennt.
Für Eltern
Mein Kind hat eine Diagnose — brauche ich als Elternteil auch Unterstützung?
Brauchen müssen Sie nichts. Sinnvoll ist es oft trotzdem.
Eltern organisieren Termine, übersetzen zwischen Schule und Praxis und tragen den Alltag. Im Bereich „Eltern und Familie“ geht es um Familienorganisation, Geschwister, elterliche Erschöpfung und die Vorbereitung von Gesprächen mit Kita, Schule und Ärzten.
Kann ich zum ersten Termin allein kommen, ohne mein Kind?
Ja. Elternberatung findet ausdrücklich auch ohne das Kind statt.
Viele Eltern brauchen zuerst einen Ort, an dem sie selbst sortieren können. Ob und wann das Kind dazukommt, entscheiden Sie.
Was, wenn mein Partner und ich uns nicht einig sind?
Dann ist genau das ein gutes Thema für einen Termin.
Es geht nicht darum, wer recht hat, sondern darum, wie ein Alltag aussieht, in dem alle vorkommen. Sie können gemeinsam kommen oder erst einmal getrennt. Eine klassische Paarberatung ist das nicht — der Rahmen ist Neurodivergenz im gemeinsamen Alltag.
Ihre Frage fehlt?
Schreiben Sie sie mir — ohne Namen, ohne Adresse. Ich antworte per E-Mail, wenn Sie eine angeben. Und wenn die Frage anderen weiterhilft, nehme ich sie hier auf: gekürzt, unkenntlich gemacht und nie mit persönlichen Details.
Austausch mit anderen
Manchmal hilft kein Fachwissen, sondern das Gespräch mit Menschen, die dasselbe erleben. Moderierte Angebote und Selbsthilfegruppen finden Sie bei ADHS Deutschland e. V. und bei Autismus Deutschland e. V.