ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter — und was kommt danach?
Sie haben als Erwachsene oder Erwachsener eine ADHS-Diagnose erhalten? Welche Wege es danach gibt — von der ärztlichen Behandlung bis zur Beratung und zum ADHS-Coaching für den Alltag.
Was bedeutet die Diagnose?
ADHS ist keine Phase und keine Charakterschwäche, sondern eine andere Funktionsweise des Gehirns. Viele Erwachsene erhalten die Diagnose erst nach Jahren der Überforderung — ausgelöst oft durch eine Krise im Beruf, einen Zusammenbruch oder die Diagnose des eigenen Kindes.
Für viele ist die Diagnose zunächst eine Erleichterung: Das, was bisher unerklärlich war, hat einen Namen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie es weitergeht.
Welche Wege gibt es nach der Diagnose?
Es gibt drei Wege, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die ärztliche Behandlung — etwa mit Medikamenten — erfolgt durch Psychiaterinnen und Psychiater. Eine Psychotherapie kann sinnvoll sein, wenn Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Ängste hinzukommen; sie wird von Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt.
Der dritte Weg ist Beratung, im ADHS-Kontext auch als ADHS-Coaching bezeichnet. Beratung und Coaching setzen an der Alltagsorganisation an: Aufbau und Struktur, Reizsteuerung, Prioritäten, Arbeit und Beziehungen. Sie sind keine Heilbehandlung und kein Ersatz für Psychotherapie — aber für viele der konkreteste Schritt im Alltag.
Was leistet Beratung — und was nicht?
Beratung bietet Orientierung, Wissen und praktische Strategien für Ihren Alltag. Sie hilft Ihnen zu verstehen, wie Ihre Funktionsweise arbeitet, und Wege zu finden, die dazu passen.
Beratung ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn Sie depressive Phasen haben, unter Ängsten leiden oder sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt, eine psychotherapeutische Praxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Wo setzt die Arbeit im Alltag an?
Konkret wird es bei Themen wie diesen: Wie bekomme ich meinen Tag strukturiert, ohne mich zu überladen? Wie reduziere ich Reizüberflutung im Homeoffice oder im Haushalt? Wie priorisiere ich, wenn alles gleich dringend wirkt? Wie erkläre ich meine Funktionsweise im Beruf oder in der Partnerschaft?
Die Beratung arbeitet mit dem, was in Ihrem Alltag gerade ansteht — nicht mit einem festen Programm.
Wie finde ich den ersten Schritt?
Für Diagnostik und medikamentöse Behandlung wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder eine psychiatrische Praxis. Beratung und Coaching können Sie parallel dazu nutzen — sie sind ohne Verordnung direkt buchbar.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg zu Ihrer Situation passt, klären wir das gern in einer kurzen Vorabklärung.